Der Doubtfulsound und die neuen Wege

Die letzten drei Tage habe ich, wie angekündigt, einen Kayaktrip auf dem Doubtfulsound gemacht. Der ‘3 day epic trip’, wie der Veranstalter die Tour passend beschreibt, ermöglicht es einem, zu wilden und abgelegenen Stellen inmitten des riesigen Fjords zu gelangen.
Am Dienstag startete der Trip um 6 Uhr morgens. Rothem und ich wurden vom Bus abgeholt und wir fuhren von Te Anau nach Manapouri, von wo die Fähre in Richtung Doubtfulsound ablegt. Mit von der Partie in unserem Team waren 6 weitere Leute und unser Guide John. Ca. 40 weitere Personen fuhren mit zum Sound, machten aber andere Touren als wir. Unsere Tour war die längste und wir hatten alle unsere großen Backpacks dabei und wurden skeptisch von den Anderen beäugt.

Nach einer Stunde mit dem Schiff folgt noch eine halbstündige Busfahrt zum ‘deep cove’ dem Einstieg des eigentlichen Fjords. Allein der Weg zeigt, dass der Doubtfulsound im Gegensatz zum viel kleineren Milfordsound, wesentlich abgelegener ist.

Wir packten die Kayaks und wurden dabei bereits von derartig vielen Sandflies umzingelt, was uns einen Vorgeschmack auf die nächsten zwei Tage gegen sollte.

Das Wetter war verhältnismäßig gut, was heißt, es regnete nur ein wenig und die Vorhersage war gut für die 2 Tage. Wir fuhren in 2er Expeditionskayaks, die besonders stabil auf dem Wasser liegen und viel Platz im Inneren für das Material und Verpflegung bieten. Nach einer kurzen Eingewöhnung wurde ich schnell warm im Umgang mit dem Boot und wir kamen gut voran. Die Landschaft ist einfach unbeschreiblich. Riesige, mit Bush bewachsene Felswände erheben sich rechts und links von einem und man erlebt eine wahnsinnige Ruhe. Lediglich das gleichmäßige Geräusch der Paddel im Wasser vermischt sich mit der Stille dieses wunderbaren Ortes.

Wir fuhren am ersten Tag 7 Stunden, um unser Camp zu erreichen. Das Camp was von der Organisation eingerichtet wurde, ist nichts weiter als ein, von einem Strand zugänglicher Bereich im Bush, mit einigen Flächen für Zelte, einem Plumpsklo und einer größeren Fläche für ein Gruppenzelt. Die erste Maßnahme bestand darin, eine Regenplane aufzuhängen, unter welche ein großes Insektenshelter gebaut wurde. Eigentlich ein großes Innenzelt, in welchem wir zu acht sitzen konnten und halbwegs geschützt vor den unzähligen Sandflies waren. Kurze Erklärung zu Sandflies am Rande: Diese Fliegen möchte ich mittlerweile als die größte Plage dieses Landes bezeichnen. Sie werden von menschlicher Wärme und dem Atem angelockt und umzingeln einen innerhalb von 10 Sekunden. Dabei versuchen sie penetrant eine Stelle für Ihren Biss zu finden, den man definitiv merkt und der, wenn man kratzt, 1 Woche dermaßen juckt. Also ich tausche gerne 5 Mückenstiche gegen einen Sandfliebiss. Leider kann man nichts dagegen tun, dass sie da sind und so akzeptiert man es irgendwann, weil einem sonst die Stimmung vermiest wird.

Wir machten Essen und tranken Tee gegen die Kälte. Der Aufenthalt im Camp hatte was für sich. Ich fühlte mich derartig tief in der Wildnis, wie noch nie zuvor. Es war ein geniales Gefühl sich an so einem besonderen Ort ‘einzurichten‘. Ich beneidete unseren jungen Guide und redete viel mit ihm über seinen Job. Nach etwas Kartenspielen am Abend und witzigen Unterhaltungen mit unseren Kameraden, gingen wir recht früh ins Zelt und ich schlief wie ein Stein.
Der nächste Morgen war klar und kalt und wir fuhren raus, um den Nebenarm des Sounds zu erkunden, welcher allein die Größe des Milfordsounds hat.

Ich kam aus dem Staunen eigentlich nicht mehr raus. Nach jeder Biegung die nächste unglaubliche Aussicht und wir mittendrin. Ich genoss es derartig durch diese Natur zu fahren, ohne Geräusche, als stiller Beobachter. 

Ich dachte viel über meine früheren Pläne nach, als ich vorhatte die Ausbildung zum Outdoorguide und Outdoortrainer bzw. Erlebnispädagogen zu machen. Die Erfüllung, die ich bei derartigen Trips erfahre, bestärkte mich, mich wieder dem Thema zuzuwenden. Ich merke hier auf meiner Reise einfach, dass ich genau diese Dinge so sehr genieße und auch dass ich das Zeug dafür habe…So blöd sich das anhört 🙂 Kein Büro mehr! Mehr Natur, mehr erleben! 
Am dritten Tag mussten wir bereits um 5 aufstehen, um im Dunkeln alles zu packen und zurück zum ‚deep cove‘ zu kommen. Nach einem starken und gezuckerten Instantkaffee und Erdnussbutter Toast hatte ich den nötigen Boost, um wie eine Maschine alles zu packen. Ich war so schnell mit meinem Zeug fertig, dass ich zusammen mit John alles weitere packte und verstaute, während die anderen noch leichenblass versuchten ihre Sachen zu organisieren.

Wir waren auf dem Wasser und fuhren buchstäblich in den Sonnenaufgang. Es war keine Wolke am Himmel und die Wärme der aufgehenden Sonne war herrlich. Ich merkte mittlerweile, dass ich die letzten zwei Tage knapp 13 Stunden nur gepaddelt bin und spürte es vorwiegend in den Händen. Es ging aber und ich genoss die letzten Stunden des Trips und die Ruhe.

Das absolute Highlight kam dann. Eine Gruppe der seltenen Großen Tümmler kreuzte unseren Weg und ich konnte es auf einem Video festhalten. Diese Delfine sind die größten Delfine der Welt und es Leben ca. 20 Stück im Doubtfulsound. Es war so ein krasses Gefühl direkt neben diesen wilden Tieren zu sein, ohne sie zu stören oder ihnen zu folgen. Sie waren einfach da, wo ich gerade war….Ganz zufällig. Ein unglaubliches Gefühl!
Es waren drei geniale Tage und ich genoss es unglaublich. Zudem freut es mich, dass ich neue Perspektiven für Zuhause habe und viele neue Ideen entwickeln konnte.

Ich bin jetzt wieder allein und werde am Montag den dreitägigen ‘Humpridge Track’ machen. Freue mich schon drauf!
Nachtrag: Heute ist Montag und ich konnte den Humpridge Track noch nicht beginnen. Ich zehre noch von den Auswirkungen von drei Tagen nasser Füße…Leider habe ich diverse ‚cuts‘ an den Füßen durch die ständige Feuchtigkeit, sodass ich gerade pausieren muss und so wenig wie möglich laufe. Aber ich nutze die Ruhepause, indem ich Kontakt zu Adventureunternehmen in Deutschland und der Schweiz aufnehme. Somit hat alles seinen Sinn.

Bis bald liebe Freunde!

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